Digitale Zivilcourage im digitalen Alltag
Verantwortung im digitalen Alltag
Lesezeit: 4 Min.
Publikation: 02. Januar 2026, Jessy Thür
Publikation: 02. Januar 2026, Jessy Thür
Immer mehr Menschen verbringen einen bedeutenden Teil ihres Alltags online. In sozialen Medien, Foren oder Kommentarspalten diskutieren wir, suchen Informationen oder pflegen Kontakte. Gleichzeitig häufen sich Berichte über Cybermobbing, diskriminierende Kommentare oder gezielte Fehlinformationen. Eine Studie zu „Digitaler Hassrede in der Schweiz“ zeigt deutlich, dass diese Form der Online-Gewalt weit verbreitet ist und viele Nutzer betroffen oder zumindest Zeuginnen und Zeugen werden. Deswegen gewinnt der Begriff der digitalen Zivilcourage zunehmend an Bedeutung.
Warum digitale Zivilcourage heute unverzichtbar ist
Digitale Zivilcourage bedeutet, nicht wegzuschauen, wenn im Netz Unrecht geschieht. Es geht darum, Verantwortung zu übernehmen – nicht zwingend laut oder konfrontativ, sondern oft leise, reflektiert und solidarisch. Besonders wichtig ist dies, weil viele Menschen negative Online-Erfahrungen machen, sich jedoch aus Unsicherheit zurückziehen. Die BAKOM-Studie von 2022 zeigt, dass rund ein Drittel der Schweizer Internetnutzer bereits mit Hassrede konfrontiert war. Kinder und Jugendliche sind laut ProJuventute besonders gefährdet, was Cybermobbing und psychische Belastungen betrifft. Wer solche Entwicklungen beobachtet, aber aus Unsicherheit schweigt, trägt unbeabsichtigt dazu bei, dass sich problematische Inhalte weiterverbreiten.Die Rolle der eigenen digitalen Kompetenz
Zivilcourage im Netz beginnt oft mit der Fähigkeit, Inhalte kritisch einordnen zu können. Viele Nutzer schätzen ihre digitale Sicherheit und Kompetenz als eher gering ein, wie Analysen der Netzwoche zeigen. Das führt zu einem vorsichtigen Umgang mit digitalen Räumen und zum Risiko, sich aus Diskussionen ganz zurückzuziehen. Wer sich aber informiert und bewusst handelt, erkennt schneller, wann Kommentare diskriminierend sind, wann Fehlinformationen verbreitet werden oder wann jemand Unterstützung braucht. Diese Kompetenz schafft die Grundlage dafür, verantwortungsvoll zu reagieren.Kleine Handlungen mit grosser Wirkung
Digital zu handeln, bedeutet nicht, jeden Konflikt öffentlich auszutragen. Zivilcourage zeigt sich häufig in kleinen, aber wirksamen Gesten. Ein aufmerksamer Blick auf eine eskalierende Diskussion kann schon der erste Schritt sein. Wer jemanden sieht, der angegriffen wird, kann eine unterstützende Nachricht senden oder die betroffene Person darauf hinweisen, wie sie Inhalte dokumentieren oder melden kann. Manchmal ist eine ruhige, sachliche Bemerkung ausreichend, um eine toxische Unterhaltung zu entschärfen. In anderen Fällen genügt es, einen verletzenden Kommentar zu melden, damit er von der Plattform überprüft wird. Jede dieser Handlungen stärkt das digitale Gemeinwohl und sorgt dafür, dass sich Betroffene weniger allein fühlen.Unterstützung durch Schweizer Initiativen
Wer im Netz Unterstützung braucht – sei es als Betroffene oder als helfende Person –, findet in der Schweiz bereits wertvolle Anlaufstellen. Der Verein #NetzCourage bietet mit der #NetzAmbulanz niederschwellige Hilfe bei digitaler Gewalt. Dort erhalten Betroffene psychologische Beratung, Unterstützung bei der Beweissicherung oder sogar juristische Begleitung. Auch die App Zivil.Courage.Online vermittelt praxisnahes Wissen und hilft Jugendlichen wie Erwachsenen, souverän auf Hass, Fake News oder Verschwörungstheorien zu reagieren.Neben diesen Angeboten spielt auch die digitale Gesellschaft eine wichtige Rolle. Sie engagiert sich für digitale Selbstverteidigung und bietet Kurse zu Datenschutz, sicherer Kommunikation und anonymem Surfen an. Damit stärkt sie das Bewusstsein dafür, dass Sicherheit und Privatsphäre elementare Bausteine digitaler Zivilcourage sind.
Ein gemeinschaftlicher Beitrag zu einem besseren Netz
Digitale Zivilcourage ist kein heroischer Akt, sondern eine Haltung, die wir im Alltag verankern können. Sie zeigt sich in unserem Umgang mit anderen, in der Art, wie wir auf Konflikte reagieren, und darin, wie wir reagieren, wenn wir Ungerechtigkeit wahrnehmen. Jede – auch kleine – Handlung trägt zu einem respektvolleren digitalen Raum bei. Wer einen verletzenden Kommentar meldet, Fakten sachlich einordnet oder einer betroffenen Person beisteht, stärkt den sozialen Zusammenhalt im Netz.Der digitale Raum ist ein Spiegel unserer Gesellschaft: Er wird durch uns gestaltet. Wenn wir bereit sind hinzusehen, uns zu informieren und solidarisch zu handeln, schaffen wir ein Internet, das nicht von Angst, Hass oder Ignoranz geprägt ist, sondern von Respekt und Menschlichkeit.
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«digitaljournal.ch»

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