Legacy-Systeme in der Schweiz
Modernisieren oder ersetzen – strategische Entscheidungen für Unternehmen
Lesezeit: 5 Min.
Publikation: 13. Januar 2026, Jessy Thür
Publikation: 13. Januar 2026, Jessy Thür
In einer Zeit rasanter technologischer Entwicklung stehen
viele Schweizer Unternehmen vor einer zentralen Herausforderung: Wie gehen sie
mit veralteten IT-Systemen um? Diese sogenannten Legacy-Systeme sind oft
tief in geschäftskritische Prozesse eingebettet, aber sie hemmen gleichzeitig
Agilität, Innovation und Effizienz. Die zentrale Frage lautet: modernisieren
oder ersetzen? – eine Entscheidung, die strategisch gut durchdacht werden muss.
Was sind Legacy-Systeme und warum sind sie problematisch?
Legacy-Systeme sind ältere Softwarelösungen, die über viele Jahre hinweg gewachsen sind. Sie wurden oft auf Grundlage alter Programmiersprachen oder Architekturen entwickelt und laufen heute in vielen Fällen auf nicht mehr unterstützten Plattformen. Noch immer trifft man solche Systeme in Banken, Versicherungen, öffentlicher Verwaltung oder im produzierenden Gewerbe an.Diese Systeme sind nicht per se „schlecht“ – sie funktionieren oft zuverlässig und decken Kernprozesse ab. Doch mit fortschreitender Digitalisierung zeigen sich klare Nachteile: mangelnde Integration in moderne Anwendungen, hohe Wartungskosten, Sicherheitslücken und technologische Blockaden für Innovationen.
Warum Modernisierung oft die bessere Alternative ist
1. Kosten und EffizienzLegacy-Systeme binden oft einen Grossteil des IT-Budgets in Wartung, Bugfixes und Support, statt in Innovation zu fliessen. So investieren manche Schweizer Unternehmen bis zu 80 % ihrer IT-Ressourcen allein in die Problembewältigung des Altbestands – mit wenig Mehrwert für das Kerngeschäft.
Zudem entstehen technische Schulden: Je länger ein System in Betrieb bleibt, desto höher die versteckten Folgekosten durch komplizierte Pflege, fehlende Dokumentation und seltene Spezialkenntnisse.
2. Integration und Innovation
Legacy-Systeme sind oft isoliert und schlecht kompatibel mit modernen Technologien wie Cloud-Diensten, Microservices oder APIs. Das verhindert effiziente Datenflüsse und schnelle Produktentwicklungen, essenzielle Voraussetzungen für digitale Geschäftsmodelle.
Ein weiterer Punkt sind Sicherheits- und Compliance-Risiken: Ältere Plattformen werden nicht mehr regelmässig aktualisiert, was Angriffsflächen vergrössert und bei fehlendem DSGVO-Konformitätsnachweis zu rechtlichen Problemen führen kann.
3. Ressourcenmarkt und Fachkräftemangel
In der Schweiz wie anderswo wird qualifiziertes IT-Personal immer knapper. Spezialwissen zu alten Technologien ist besonders rar und teuer. Moderne Architekturen erleichtern den Zugang zu Talenten und senken langfristig die Abhängigkeit von Nischenwissen.
Wann lohnt sich eine vollständige Ablösung?
Der Kern der Entscheidung „modernisieren oder ersetzen?“ hängt stark von der strategischen Zielsetzung ab. In vielen Fällen lohnt sich die vollständige Ablösung, wenn:- Systeme keine kritischen Funktionen mehr erfüllen, die der Geschäftsentwicklung dienen.
- Komponenten nicht mehr unterstützt werden (End-of-Life der Plattform).
- Kompatibilität mit anderen Systemen nicht herstellbar ist, ohne exorbitante Anpassungen.
- Regulatorische Anforderungen nicht mehr erfüllt werden können.
Auch eine Studie zur Digitalisierung der Versicherungsbranche im DACH-Raum zeigt: 75 % der Befragten wollen innerhalb der nächsten drei Jahre mindestens ein Kernsystem modernisieren oder ersetzen.
Die Modernisierungs-Strategie: Schrittweise oder radikal?
Nicht in jedem Fall muss ein System komplett ersetzt werden. Es gibt verschiedene Ansätze:1. Inkrementelle Modernisierung
Hierbei wird das bestehende System schrittweise durch moderne Module ergänzt oder auf eine neue Architektur überführt. Diese Methode eignet sich besonders für kritische Geschäftsprozesse, bei denen sofortige Ablösungen zu riskant wären.
2. Hybridmodell
Legacy-Funktionen bleiben bestehen, neue Services werden über APIs ergänzt – ein gängiger Ansatz, um Risiken zu minimieren und gleichzeitig Fortschritte zu erzielen.
3. Komplettaustausch
Wenn ein System nicht mehr den strategischen Anforderungen entspricht, ist ein vollständiger Ersatz oft die effizienteste Lösung – insbesondere, wenn die Wartungskosten und Sicherheitsrisiken überwiegen.
Keine Universalantwort, aber klare Richtung
Die Entscheidung zwischen Modernisierung und Ersatz von Legacy-Systemen ist komplex, aber sie ist kein „Entweder-oder“ im klassischen Sinne. Vielmehr ist sie ein strategischer Prozess, der auf einer fundierten Analyse von Risiken, Kosten, Unternehmenszielen und technologischen Anforderungen basieren muss.Kurz gesagt:
- Modernisierung eignet sich, wenn eine schrittweise Transformation möglich ist und Stabilität gefragt ist.
- Ein Ersatz lohnt sich, wenn Legacy-Systeme Innovationen
blockieren, regulatorische Risiken bergen oder unverhältnismässige
Wartungskosten erzeugen.
In jedem Fall gilt: Unternehmen, die sich nicht mit ihren
Legacy-Systemen beschäftigen, riskieren langfristig Wettbewerbsfähigkeit,
Effizienz und Sicherheit. Die digitale Zukunft fordert klare Entscheidungen –
je früher sie getroffen werden, desto besser.
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«digitaljournal.ch»

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