Smishing & Phishing per SMS
Wenn das Smartphone zur Falle wird
Lesezeit: 5 Min.
Publikation: 26. Februar 2026, Jonathan Schönholzer
Eine SMS von der Post, eine WhatsApp-Nachricht der Bank oder eine dringende Mitteilung vom Paketdienst, im hektischen Alltag reagieren viele Menschen reflexartig auf solche Nachrichten. Genau hier setzen moderne Betrugsmaschen wie Smishing und Phishing über Messenger an. Während klassische E-Mails mit dubiosen Links inzwischen vielen bekannt sind, wirken SMS oder Chatnachrichten persönlicher, direkter und vertrauenswürdiger. Gerade in der Schweiz, wo digitale Dienste im Alltag tief verankert sind, entstehen dadurch neue Risiken.
Smishing ist eine Kombination aus „SMS“ und „Phishing“ und bezeichnet Betrugsversuche per Kurznachricht. Die Nachrichten wirken oft täuschend echt und geben sich als bekannte Institutionen aus, etwa als Paketdienst, Bank oder Behörde. Sie erzeugen Zeitdruck, warnen vor angeblichen Kontosperrungen oder versprechen eine fehlgeschlagene Zustellung. Wer auf den Link klickt, landet auf gefälschten Webseiten, die Passwörter, Kreditkartendaten oder Login-Codes abgreifen. Besonders perfide ist, dass die Nachrichten sprachlich immer besser werden und oft lokale Bezüge enthalten.
Warum gerade Messenger besonders anfällig sind
Messenger-Dienste haben E-Mail in vielen Bereichen längst abgelöst. Sie sind schneller, persönlicher und werden ständig genutzt. Dadurch sinkt die Hemmschwelle, auf eine Nachricht zu reagieren. Viele Menschen prüfen SMS oder WhatsApp-Nachrichten kaum kritisch, weil sie sie im Kontext von Familie, Freundeskreis oder Arbeit wahrnehmen. Betrüger nutzen diese Gewohnheit gezielt aus.
Hinzu kommt, dass Telefonnummern in der Wahrnehmung vieler Nutzer vertrauenswürdiger erscheinen als unbekannte E-Mail-Adressen. Doch Absendernummern lassen sich technisch manipulieren. Eine Nachricht kann scheinbar von einer offiziellen Nummer stammen, obwohl sie von Kriminellen versendet wurde. Auch sogenannte „Spoofing“-Techniken sorgen dafür, dass gefälschte Nachrichten im bestehenden Chatverlauf erscheinen können. Das erhöht die Glaubwürdigkeit erheblich.
In der Schweiz ist das Problem besonders relevant, weil viele Alltagsprozesse digital ablaufen. Paketbenachrichtigungen, Zwei-Faktor-Codes, Bankkommunikation oder Terminbestätigungen erfolgen häufig per SMS oder Messenger. Dadurch verschwimmen echte und gefälschte Nachrichten im Alltag. Die zunehmende Nutzung von Mobile Payment, E-Banking und digitalen Identifikationsverfahren verstärkt die Attraktivität dieser Kanäle für Betrüger zusätzlich.
Die Rolle der Mobilfunkanbieter und der Eigenverantwortung
Die Bekämpfung von Smishing ist eine gemeinsame Aufgabe von Telekom-Anbietern, Plattformbetreibern und Nutzerinnen und Nutzern. Mobilfunkanbieter investieren in Filtermechanismen, um verdächtige SMS frühzeitig zu blockieren. Dennoch ist eine vollständige Prävention technisch schwierig, da neue Nummern und Server ständig nachrücken. Auch Messenger-Dienste verbessern laufend ihre Sicherheitsmechanismen, etwa durch Warnhinweise bei unbekannten Kontakten.
Trotzdem bleibt die Sensibilisierung der Bevölkerung entscheidend. Technologische Schutzmassnahmen können nur begrenzt helfen, wenn Menschen unter Stress oder Zeitdruck handeln. Betrugsnachrichten setzen gezielt auf Emotionen wie Angst oder Dringlichkeit. Ein angeblich gesperrtes Konto oder eine drohende Mahngebühr aktiviert sofortigen Handlungsdruck. Genau dieser Moment entscheidet darüber, ob jemand innehält oder impulsiv klickt.
Prävention beginnt deshalb mit einfachen Verhaltensregeln. Offizielle Institutionen fordern in der Regel keine sensiblen Daten per SMS an. Links sollten kritisch geprüft und im Zweifel die offizielle Website manuell aufgerufen werden. Unbekannte Nummern verdienen besondere Aufmerksamkeit, auch wenn der Text professionell wirkt. Ebenso wichtig ist es, Vorfälle zu melden, damit Anbieter reagieren und andere gewarnt werden können.
Smishing zeigt, wie stark Kommunikationstechnologie unseren Alltag durchdringt. Das Smartphone ist nicht nur Informationsquelle und Organisationshilfe, sondern auch Einfallstor für digitale Kriminalität. Je stärker wir auf mobile Kommunikation angewiesen sind, desto wichtiger wird ein bewusster und reflektierter Umgang damit. Technischer Fortschritt bringt Komfort, doch Sicherheit bleibt eine kontinuierliche Herausforderung, die technisches Know-how und gesellschaftliche Aufmerksamkeit gleichermassen erfordert.
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«digitaljournal.ch»

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