Technologie ohne Strom?
Notfallkonzepte für die digitale Schweiz zwischen Blackout, Resilienz und Zukunftssicherheit
Lesezeit: 5 Min.
Publikation: 11. Februar 2026, Jessy Thür
Publikation: 11. Februar 2026, Jessy Thür
In einer zunehmend digitalisierten Welt erscheint ein Leben
ohne Strom nahezu undenkbar. Fast alle Bereiche unseres Alltags – von
Kommunikation über Mobilität bis zu kritischen Infrastrukturen – hängen
unmittelbar von Energieversorgung und funktionierenden digitalen Systemen ab.
Doch was passiert, wenn genau diese Energie plötzlich nicht mehr verfügbar ist?
Wie resilient ist die Schweiz gegenüber länger andauernden Stromausfällen – und
welche Notfallkonzepte braucht eine moderne digitale Gesellschaft, um funktionsfähig
zu bleiben?
Die digitale Abhängigkeit: Ein volkswirtschaftliches Risiko
Die Schweiz gehört weltweit zu den fortgeschrittensten
digitalisierten Volkswirtschaften. Netzwerke, Cloud-Dienste, digitale
Verwaltungsprozesse und vernetzte Produktionssysteme sind aus Wirtschaft und
Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. Gleichzeitig ist diese Abhängigkeit eine
Schwachstelle: Ohne Strom funktionieren Server, Router, Mobilfunk-Masten oder
sogar Notrufsysteme nicht mehr. Wie ein Artikel über Blackout-Risiken für die
ICT darlegt, benötigt praktisch jede Komponente der Informations- und Kommunikationstechnik
eine kontinuierliche Stromversorgung – ohne die keine digitalen Dienste
aufrechterhalten werden können.
Ein Stromausfall durch Netzüberlastung, Naturkatastrophen oder Cyberangriffe kann daher schnell existenzielle Folgen für Unternehmen und die Gesellschaft haben. Dieser Umstand macht deutlich: Resilienz darf nicht nur ein Wunsch, sondern muss elementarer Teil unserer technologischen Infrastruktur sein.
Resilienz – der Schlüssel zur Widerstandsfähigkeit
Der Begriff Resilienz beschreibt die Fähigkeit eines Systems, Störungen – etwa einen Stromausfall – zu überstehen und anschliessend in den Normalzustand zurückzukehren – oder zumindest seine kritischen Funktionen aufrechtzuerhalten. In technischen und energiewirtschaftlichen Kontexten bedeutet das, dass bestimmte Kernfunktionen trotz Störungen verfügbar bleiben oder schnell wiederhergestellt werden können.Für die digitale Infrastruktur bedeutet Resilienz konkret:
- Redundanz durch Notstromversorgung (z. B. USV-Systeme, Dieselaggregate)
- robuste Kommunikationsnetzwege
- verbesserte Sicherheitsstandards
- klare
Notfallprozesse
Notfallkonzepte: Mehr als nur ein Plan auf dem Papier
Ein Notfallkonzept ist mehr als eine Sammlung von Telefonnummern und Flussdiagrammen. Es umfasst:- Risikobewertung: Welche Systeme sind kritisch?
- Prioritätslisten: Was muss wann und wie wiederhergestellt werden?
- Verantwortlichkeiten: Wer trifft Entscheidungen im Krisenfall?
- Kommunikationswege: Wie bleibt Information flüssig intern und extern?
Gerade für Gemeinden und Behörden hat das Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) gemeinsam mit Partnern entsprechende Modelle und Hilfsmittel für Notfall- und Krisenkonzepte entwickelt, die auch Cyberbedrohungen und Ausfälle beinhalten.
Stromausfälle und Telekommunikation: Ein aktuelles Beispiel
Die Schweiz hat kürzlich gesetzliche Massnahmen zur Notstromversorgung für Mobilfunkbetreiber beschlossen. Ab 2031 müssen Mobilfunkmasten sicherstellen, dass Notrufe und grundlegende Dienste bei Stromausfall mindestens vier Stunden lang verfügbar bleiben – und ab 2034 auch weitere Dienste. Damit reagiert der Bundesrat auf das erkennbare Risiko, ohne Strom würden Kommunikation und Sicherheit massiv eingeschränkt.Solche gesetzlichen Verpflichtungen zeigen, wie ernst die Risiken genommen werden: Ohne Strom bricht nicht nur die digitale Kommunikation zusammen, sondern auch die Versorgungsketten und soziale Ordnung können gefährdet werden. Dieser politische Ansatz verknüpft technologische, rechtliche und gesellschaftliche Ebenen zu einem integrativen Notfall-Konzept.
Redundanz und alternative Technologien
Neben gesetzlichen Rahmenbedingungen und organisatorischen Konzepten stehen auch technische Lösungen im Fokus:- Intermittent Computing: Konzepte, bei denen Systeme trotz instabiler Energieversorgung weiterarbeiten, indem sie ihre Rechenschritte zwischenspeichern und bei erneuter Energiezufuhr fortsetzen – insbesondere relevant für IoT-Geräte und Sensoren.
- Mesh-Netzwerke und Peer-to-Peer-Kommunikation: In extremeren Krisenszenarien können lokal verfügbare Geräte in dezentralen Netzwerken miteinander kommunizieren, selbst wenn zentrale Infrastruktur ausfällt.
- Passive
Überlebensstrategien: Wie in der Architektur beschrieben, können
Konzepte der passiven Survivability auf kritische Infrastruktur
übertragen werden – etwa durch lokale Energiespeicher und autonome
Systeme.
Eine digitale Schweiz braucht Strom – aber auch Pläne B und C
Die digitale Schweiz steht vor grossen Herausforderungen: Die Abhängigkeit von einer stabilen Stromversorgung macht unsere Gesellschaft verwundbar. Doch diese Herausforderung ist nicht unlösbar. Durch robuste Notfallkonzepte, Resilienzstrategien, gesetzliche Rahmenbedingungen und technische Innovationen kann die Schweiz ihre digitale Zukunft sicherer gestalten. Technologie ohne Strom mag utopisch erscheinen, aber durch gute Vorbereitung und vorausschauende Planung können die Folgen eines solchen Szenarios abgefedert werden – und im Ernstfall sogar die Handlungsfähigkeit der Gesellschaft gewährleistet bleiben.Bitte beachten Sie, dass alle Angaben ohne Gewähr sind und Änderungen vorbehalten bleiben. Wir empfehlen, aktuelle Informationen direkt auf den jeweiligen Webseiten einzusehen.
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«digitaljournal.ch»

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