Die Zukunft ohne Passwort: Kommt die passwortlose Schweiz?

Passwortlose Schweiz: Warum Passkeys und digitale Identitäten immer wichtiger werden

Passwort-Notizen
Lesezeit:         5 Min.
Publikation:     12. Mai 2026, Jessy Thür

Passwörter begleiten das Internet seit Jahrzehnten. Doch obwohl sie zum digitalen Alltag gehören, gelten sie längst als eines der grössten Sicherheitsprobleme überhaupt. Schwache Logins, wiederverwendete Kennwörter und Phishing-Angriffe sorgen weltweit für Milliardenverluste. Nun zeichnet sich ein grundlegender Wandel ab: Die Zukunft könnte passwortlos werden, auch in der Schweiz.

Technologien wie Passkeys, biometrische Authentifizierung und die staatliche E-ID sollen klassische Passwörter zunehmend ersetzen. Die Frage ist nicht mehr, ob, sondern wann sich dieser Wandel durchsetzt.

Warum Passwörter zum Problem geworden sind

Die meisten Menschen verwalten heute Dutzende oder sogar Hunderte Online-Konten. Sich für jeden Dienst ein einzigartiges, komplexes Passwort zu merken, ist kaum realistisch. Viele Nutzer greifen deshalb auf einfache oder mehrfach verwendete Passwörter zurück, ein grosses Risiko für Unternehmen und Privatpersonen.

Hinzu kommt: Selbst starke Passwörter schützen nicht vor Phishing. Kriminelle locken Nutzer auf gefälschte Webseiten und stehlen dort Login-Daten. Genau hier setzen moderne Authentifizierungsmethoden an.

Laut Experten gelten Passkeys heute als deutlich sicherer als klassische Passwörter, da kein Passwort mehr übertragen oder gespeichert wird.

Was sind Passkeys?

Passkeys gelten als einer der wichtigsten Nachfolger des Passworts. Statt ein Kennwort einzugeben, authentifizieren sich Nutzer über ihr Gerät, beispielsweise mit Fingerabdruck, Gesichtserkennung oder Geräte-PIN.

Technisch basiert das System auf kryptografischen Schlüsseln. Der private Schlüssel bleibt ausschliesslich auf dem eigenen Gerät gespeichert, während der öffentliche Schlüssel beim jeweiligen Dienst hinterlegt wird. Dadurch können Passkeys nicht einfach abgefangen oder gestohlen werden.

Ein weiterer Vorteil: Passkeys sind phishing-resistent. Selbst wenn Nutzer versehentlich eine gefälschte Website besuchen, funktioniert die Anmeldung dort nicht. Das reduziert eines der grössten Sicherheitsprobleme im heutigen Internet erheblich.

Schweizer Unternehmen setzen bereits auf passwortlose Logins

Die Technologie ist längst nicht mehr Zukunftsmusik. Mehrere Schweizer Anbieter integrieren bereits Passkey-Lösungen in ihre Systeme.

So unterstützt SwissID Passkeys nach dem internationalen FIDO2-Standard. Nutzer können sich damit ohne Passwort anmelden und stattdessen biometrische Verfahren oder Geräteauthentifizierung verwenden.

Auch Swisscom bietet mittlerweile passwortlose Login-Varianten an. Dort erfolgt die Anmeldung per Fingerabdruck, Gesichtserkennung oder Geräte-PIN. Laut Swisscom gilt diese Methode als deutlich sicherer als klassische Passwörter.

Im Bildungsbereich experimentiert zudem SWITCH mit passwortlosen Zugängen über die SWITCH edu-ID. Die Organisation sieht Passkeys als wichtigen Schritt hin zu einer benutzerfreundlicheren und sichereren digitalen Infrastruktur.

Welche Rolle spielt die Schweizer E-ID?

Parallel zur technischen Entwicklung arbeitet die Schweiz an ihrer staatlichen elektronischen Identität, der E-ID. Diese soll künftig als offizieller digitaler Identitätsnachweis dienen und sowohl online als auch offline genutzt werden können.

Die E-ID könnte die Grundlage für zahlreiche digitale Anwendungen bilden – etwa für Behördengänge, Altersnachweise oder digitale Signaturen. Geplant ist die Nutzung über die sogenannte „swiyu Wallet“. Erste Funktionen sollen frühestens ab Sommer 2026 verfügbar sein.

Damit rückt auch in der Schweiz eine digitale Identitätsinfrastruktur näher, bei der klassische Passwörter zunehmend an Bedeutung verlieren könnten.

Biometrie: Komfort trifft Datenschutz

Die passwortlose Zukunft basiert häufig auf biometrischen Verfahren wie Fingerabdruck oder Gesichtserkennung. Für viele Nutzer bedeutet das vor allem mehr Komfort: Das Smartphone wird entsperrt, und gleichzeitig erfolgt die Anmeldung bei einem Dienst.

Datenschutzfragen bleiben dennoch zentral. Kritiker warnen vor möglichem Missbrauch biometrischer Daten oder vor zu grosser Abhängigkeit von Smartphones und Plattformanbietern.

Technologieanbieter betonen hingegen, dass biometrische Daten heute meist lokal auf dem Gerät gespeichert werden und dieses nicht verlassen. Bei modernen Passkey-Systemen erhalten Anbieter in der Regel keinen direkten Zugriff auf Fingerabdrücke oder Gesichtsscans.

Die Schweiz steht vor einem digitalen Wandel

Noch werden Passwörter nicht sofort verschwinden. Viele Systeme basieren weiterhin auf traditionellen Login-Verfahren, und die Umstellung braucht Zeit. Doch der Trend ist klar erkennbar.

Passkeys, biometrische Authentifizierung und digitale Identitäten entwickeln sich zunehmend zum neuen Standard. Gleichzeitig wächst auch die Bedeutung vertrauenswürdiger digitaler Plattformen und Unternehmensdatenbanken wie help.ch. Die Schweiz positioniert sich dabei als moderner Digitalstandort, der Sicherheit, Datenschutz und Benutzerfreundlichkeit miteinander verbinden möchte.
Die kommenden Jahre könnten deshalb entscheidend dafür sein, wie wir uns künftig im digitalen Raum identifizieren, möglicherweise ganz ohne Passwort.

Bitte beachten Sie, dass alle Angaben ohne Gewähr sind und Änderungen vorbehalten bleiben. Wir empfehlen, aktuelle Informationen direkt auf den jeweiligen Webseiten einzusehen.


«digitaljournal.ch»

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Cyberbedrohungen: Schweiz stärkt Schutz weltweit

Wenn KI den Schweizer Webtraffic verschluckt

Domain-Trends 2025: Schweiz im Fokus